Direkt zum Inhalt springen

Druckversion (PDF)

 

Der Verstand erfüllt seine Aufgabe

am besten als rechte Hand des Herzens


Lässt sich die Wahrheit finden? (13)

 

Jetzt wird es langsam heiß, denn wir nähern uns dem Kern unserer Wahrheitssuche. Eine interessante Frage, die leicht zu beantworten ist, die es aber in sich hat:

Was bedeutet „christlich‟? Man sollte meinen, dass damit jemand gemeint ist, der sich der Lehre Jesu Christi verpflichtet fühlt; der also nicht nur lediglich an Ihn glaubt. An jemanden zu glauben ist keine große Sache. (Ich glaube beispielsweise an meine Frau. Deshalb bin ich noch lange nicht „fraulich‟ ...)

Auch Ihn gut zu finden, Ihn zu zitieren oder viel über Ihn zu lesen und zu reden, reicht nicht aus; auch eine Kirchenmitgliedschaft und Gottesdienstbesuche nicht. Wäre das der Weg, mit dem die Welt von ihrem Karma befreit werden könnte, dann wäre die Menschheit schon längst geheilt und die Erde wieder ein strahlender Planet. Denn Jesus-Kenner gibt es wie Sand am Meer … Die Zahl derer, die aus Liebe zu Ihm und zu unserem himmlischen Vater Seine Lehre befolgen – die sich zumindest darum bemühen, denn ein ehrliches Bemühen reicht –, wird weitaus geringer sein.

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, muss man kein Hellseher sein. Es hilft schon, die sich aus der Herzenslogik ergebenden Schlussfolgerungen zu akzeptieren, wenn vielleicht auch schweren Herzens. (Sie stellen im übrigen – zumindest nicht hier – niemals eine Bewertung oder gar Verurteilung Andersdenkender dar. Es sind lediglich logische Gedankengänge, die man nachvollziehen kann, wenn man möchte. Oder auch nicht.)

Eine dieser Schlussfolgerungen, die uns wirklich herausfordern, wenn wir sie zu Ende denken, ergibt sich aus dem Jesus-Wort, das Er zu Petrus bei Seiner Verhaftung gesagt hat: „Stecke dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.‟

Ähnlich radikale Anweisungen enthält die Bergpredigt, die nach Ansicht vieler Theologen und Bibelwissenschaftler nicht umgesetzt werden kann, auch nicht umgesetzt werden muss, weil das entweder von Jesus so nicht gemeint war oder nur für eine bestimmte Volksgemeinschaft oder z. B. für Mönche und Nonnen gedacht war. Das Internet stellt für den, der sich für diese Gehirnakrobatik interessiert, eine wahre Fundgrube dar.

Mit unserem Wissen, dass jede Reaktion, die nicht aus der Liebe kommt, zu einer neuen Seelenbelastung führt, zeigt sich das Jesus-Wort „Stecke dein Schwert in die Scheide‟ auf einmal in einem neuen, in seinem wahren Licht und wird voll verständlich. Es bedeutet aber auch gleichzeitig, dass der einzige Weg im Sinne der Liebe der ist: nicht zurückzuschlagen, das Unrecht oder vermeintliche Unrecht hinzunehmen, seinem Gegenüber zu verzeihen und sozusagen als i-Tüpfelchen die ehrliche, innere Haltung einzunehmen „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.‟

Wir brauchen auch nicht zu befürchten, dass derjenige, der uns gegenüber schuldig geworden ist, ungeschoren davon kommt, wenn wir uns nicht zum Vollstrecker des Urteils über ihn aufschwingen. Das Schicksal hat unbestechlich alles registriert. Was bedeutet, dass das Gesetz unzählige Möglichkeiten bereithält, den Ausgleich über kurz oder lang wieder herzustellen, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen, ob der Gerechtigkeit auch Genüge getan wird; und ohne, dass wir Schuld auf uns laden: „ … der wird durch das Schwert umkommen.‟

Oder können wir uns vorstellen, dass die Schuld der Römer und Juden, die für die Kreuzigung Jesu verantwortlich waren, nicht eingefordert wurde, nur weil Er ihnen vergeben hat?

Das ist Zündstoff in höchstem Maße.

Darüber – das heißt über die kompromisslose Konsequenz, die sich aus diesem Jesus-Wort ergibt – haben die wenigsten nachgedacht. Und noch wenigere haben sich daran gehalten, was auch für die allermeisten der christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften gilt.

Wenn wir bereit sind, zu unterscheiden zwischen dem, was unter Anerkennung göttlicher Gesetzmäßigkeiten richtig ist, und dem, was wir als Menschen in unserer Unvollkommenheit schon können, ob wir es überhaupt schon wollen, dann verliert der Zündstoff ein wenig von seiner „Gefährlichkeit‟; was anderenfalls möglicherweise unseren sofortigen Widerspruch bis hin zur Ablehnung hervorrufen würde. Wir haben die Freiheit zu sagen: „Dieses Gebot ist für mich zu schwer zu erfüllen‟. Das wird von Gott vorbehaltlos akzeptiert, und an Seiner Liebe zu uns ändert sich ohnehin nichts.

Aber dem – grundsätzlich – zuzustimmen, bringt uns bei unserer Wahrheitssuche einen großen Schritt voran. Denn dann wissen wir, was richtig wäre – auch wenn wir noch anders handeln. Dann lösen sich unter Umständen viele Ungereimtheiten auf, dann finden wir Antworten, tappen nicht länger im Dunkeln und müssen Gott nicht mehr verantwortlich machen für all das Leid, deren Hintergründe wir bisher nicht einordnen konnten.

Ob wir bereit sind, an die Lösung der Probleme heranzugehen, soweit sie uns persönlich betreffen, steht auf einem anderen Blatt. Es ist unsere ureigene Entscheidung, der, egal wie sie ausfällt, keine Drohung oder Strafe Gottes folgt. Wir erleichtern oder erschweren uns damit aber unseren Weg, unser selbst geschaffenes Schicksal. Es ist schon was dran an dem Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied‟. Jetzt wissen wir auch warum.

Die Lösung wurde von Jesus aufgezeigt in dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, deren kürzeste Formel lautet: liebe – und sonst nichts.

Unsere Schwierigkeit, das Liebesgebot in seiner – wie wir es oft empfinden – Radikalität zu akzeptieren, hat einen leicht nachvollziehbaren Grund: Wir (das betrifft in erster Linie die Menschheit und in unterschiedlichem Maße auch einen jeden persönlich) sind nicht auf dem Laufenden, was unser Bemühen betrifft, schrittweise von seelischen Belastungen frei zu werden. (Die Finsternis lacht sich seit unendlich langer Zeit ins Fäustchen.)

Wir haben unsere Aufgaben nicht gemacht. Es hat sich zu viel angesammelt. Das ist bei jeder Arbeit so, um die wir uns herumdrücken. Gemacht werden muss sie schließlich doch. Irgendwann aber erscheint sie uns aufgrund ihres angewachsenen Umfangs zu groß, als dass sie zu bewältigen ist. Wir lehnen die Aufarbeitung der angesammelten Seelenschuld als „unmöglich‟ ab.

Ein Ausgleich aber muss und wird erfolgen: so (durch Einsicht und Umkehr) oder so (durch Abtragung). Denn die Einheit muss wieder hergestellt werden. Seit der Aufforderung durch Jesus zur Umkehr haben wir viele Jahrhunderte Zeit gehabt …

Gottes Geduld ist nie zu Ende, sie ist grenzenlos, was aber das Ausfließen der Wirkungen, die sich seit Menschengedenken angesammelt haben, nicht ausschließt. Doch auch das dient nicht als Strafe, sondern als Hilfe zur Erkenntnis.

Warum ist das, was Jesus getan und gelehrt hat, die Lösung? Und zwar die einzige? Denken wir daran, dass alles Energie ist. Dann zeichnet sich die Antwort schon ab.

 

(Wir sind fast angekommen)